Hypnose funktioniert. Ich möchte Ihnen zwei unterschiedliche wissenschaftliche Zugänge vorstellen, mit denen die Wirksamkeit von Hypnose belegt werden kann.

Es gibt psychologische Phänomene, die man nicht  vortäuschen kann – so sehr man es auch versucht! Eine Sprache, die man nicht gelernt hat, kann man nicht sprechen. So ähnlich verhält es sich mit dem sog. Stroop-Effekt. Auch diesen kann man bewusst kaum manipulieren. Wenn Sie gebeten werden, das folgende Wort zu lesen und möglichst schnell die Farbe, in der es geschrieben ist, zu nennen, geschieht das sehr schnell, in ein paar Zehntel einer Sekunde.

BLAU 

Das können Sie deshalb so schnell, weil es erstens automatisiert abläuft (man muß darüber bewusst gar nicht nachdenken), und weil die Farbe und das Wort übereinstimmen. Sollen Sie das gleiche mit dem folgenden Wort machen („Blau“ in grüner Farbe) dauert das messbar länger.

BLAU

Diese Verzögerung beim „Blau/Grün“ verglichen mit „Blau/Blau“ nennt man den Stroop-Effekt. Der Stroop-Effekt ist da, ob man es möchte oder nicht. Er läuft vollkommen UNBEWUSST ab, vollkommen automatisch. Deshalb eignet er sich auch hervorragend, um mögliche Effekte von Hypnose zu untersuchen, weil Hypnose ja das UNBEWUSSTE anspricht.

Der Stroop-Effekt im Zusammenhang mit Hypnose wurde schon oft untersucht, so auch in einer Studie, die in dem renommierten Journal „Archives of General Psychiatry“ (Raz/Shapiro/Fan/Posner (2002): Hypnotic Suggestion and the Modulation of Stroop Interference) veröffentlicht wurde. Den Testpersonen wurde eine sog. „posthypnotische Suggestion“ gegeben. Posthypnotisch heisst: sie sollten etwas nach Beendigung der Hypnosesitzung machen, in diesem Fall: die Farbe benennen, in der das Wort geschrieben steht, und zwar möglichst schnell. In der Gruppe von Menschen, die gut auf Hypnose ansprechen, gab es keinerlei messbare Unterschiede zwischen „Blau/Blau“ und „Blau/Grün“! Anders bei den Menschen, die nicht gut auf Hypnose ansprechen: Dort gab es eine deutlich messbare Zeitverzögerung: Sie benötigten für „Blau/Grün“ deutlich länger als für „Blau/Blau“!

Warum ist das so bemerkenswert? Weil wir diesen Effekt bewusst gar nicht steuern können! Wenn Ihnen im Normalzustand gesagt wird: „Achten Sie nicht auf das Wort, sondern benennen Sie nur die Farbe“, hat dies keinerlei Auswirkung. Wird Ihnen allerdings als jemandem, der bereit ist, sich auf die Hypnose einzulassen, im Rahmen der Hypnosesitzung solch eine Aufforderung gegeben, Sie also auf einer unbewussten Ebene angesprochen, dann zeigt sich die Wirkung!

Mit solchen Experimenten kann man wissenschaftlich belegen, was man als Anwender der Hypnose ohnedies weiss: Was in der Hypnose verankert wird, kann zu Veränderungen im Denken und Verhalten führen, wie es beim bewussten Nachdenken, Planen und „Wollen“ nicht möglich ist! Und das ist sehr wichtig für schwierige Ziele, die man erreichen möchte!

In Hypnose ist die Beziehung zwischen dem WOLLEN und dem HANDELN verändert, sodass die hypnotische Erfahrung stets die Erfahrung von etwas Unterschiedlichem bedeutet. Einen Unterschied wahrnehmen heisst: etwas Lernen.

Früher hat man gemeint, Hypnose sei eine Form des Schlafes, was aber nicht stimmt – ganz im Gegenteil: In Hypnose ist man besonders fokussiert und aufmerksam, aber eben auf eine andere Art als im Normalzustand. Und das ist objektiv messbar. Wichtig hier ist das SELBSTBILD. Wenn wir über uns, unsere Vergangenheit, oder die mögliche Zukunft nachdenken, werden bestimmte Areale im Gehirn aktiviert, besonders der sog. Precuneus (im Foto rechts rot markiert). Wenn wir im Alltag über uns selbst nachdenken, Überlegungen zur eigenen Person anstellen, Pläne für unsere Zukunft machen, unser Selbstbild überprüfen, usw., ist der Precuneus höchst aktiv.

Anders im Zustand der Hypnose: In der Hypnose wird der Precuneus richtiggehend ausgeschaltet, d. h. deutlich inaktiv. Wenn der Precuneus aber nicht aktiv ist, erlebt die hypnotisierte Person eine Distanz zum ALLTAGS-ICH, eine verstärkte Konzentration auf Möglichkeiten, die nicht so stark durch Erwartungen, Anpassung, die eigenen Selbstzweifel oder eingelernte Werte gesteuert ist. Diese hypnotische Distanz zum Alltags-Denken erlaubt dem Unbewussten, auf einer qualitativ anderen Ebene nach Möglichkeiten und Veränderungen zu suchen, die man dann im Normalzustand umsetzen kann. Mit anderen Worten: In der Hypnose steht uns unser Bewusstsein bei der Lösungsfindung (auf dem Weg vom WOLLEN zum HANDELN) nicht so stark im Weg, wir sind „durchlässiger“ und können andere Wege gehen – anders als bisher (Revenstorf, 2014).

Bestimmte Areale im Gehirn sind im Zustand der Hypnose verändert - das ist objektiv messbar. Rot: In diesem Hirnbereich liegt der sog. Precuneus.

In der Hypnose ist also die Beziehung zwischen dem WOLLEN und dem HANDELN verändert, was beispielsweise die Erfolge bei der Raucher-Entwöhnung eklären kann, oder warum es Menschen mit Rede-Angst gelingt, mit Hilfe der Hypnose relativ entspannt und angstfrei vor Publikum zu sprechen. Das WOLLEN alleine reicht oftmals nicht, um das HANDELN nachhaltig zu verändern. Hypnose setzt hier an und kann, wenn auch andere Bedingungen stimmen, die Wahrscheinlichkeit für den langfristigen Erfolg deutlich erhöhen!

Weil unser Denken in der Hypnose auf eine andere Ebene gehoben wird, sind auch andere Lösungen möglich.

Das ist der Hauptgrund für die Wirksamkeit der Hypnose.